MEIN SYSTEM · SCHRITT 4
Verbesserungen feststellen
Wirkt das Training wirklich? Hier zeige ich, wie ich aus Pre-Tests und Post-Tests einen ehrlichen Beweis baue — mit standardisierten Setups, σ-Tracking und den P1–P4-Putter-Tests, die jedes Bauchgefühl entlarven.
Drei Prinzipien, die jeden Re-Test ehrlich machen
„Ich glaube, der Putt fühlt sich besser an.” Das ist kein Re-Test, das ist Hoffnung. Wer wirklich wissen will, ob das Training wirkt, braucht Disziplin — und das Werkzeug, das die meisten Senior-Golfer scheuen: die ehrliche Zahl.
Über die letzten zwei Jahre habe ich aus Pre/Post-Test-Routinen ein System gebaut, das jede Trainings-Hypothese beweist oder widerlegt — ohne Bauchgefühl, ohne Selbstbetrug, ohne „heute hatte ich einfach keinen Tag”.
Pre vor Post. Gleiche Bedingungen. σ vor Mittelwert. Drei Regeln, die jede Verbesserung belastbar machen — oder die Wahrheit ans Licht bringen, wenn nichts passiert ist.
Pre vor Post
Ohne Baseline ist jeder Post-Test bedeutungslos. Bevor ich mit einem Training beginne, mache ich denselben Test einmal — und dokumentiere das Ergebnis. Erst dann weiß ich, gegen welche Zahl ich anschließend antrete.
Gleiche Bedingungen
Pre auf der nassen Range, Post auf der trockenen — Vergleich kaputt. Gleiche Tageszeit, gleicher Schläger, gleiches Setup, gleicher Untergrund, gleiche Anzahl Schläge. Standardisierung ist die halbe Wahrheit.
σ vor Mittelwert
Der Median-Carry kann gleich bleiben — die Streuung halbiert sich. Genau das ist Verbesserung. Wer nur Mittelwerte vergleicht, übersieht die wichtigste Größe: die Konsistenz. Senior-Golf wird gewonnen oder verloren in der Streuung.
Womit ich Verbesserung wirklich messe
Range-σ-Vergleich
25 Schläge pro Schläger mit dem R10, σL und σB messen. Driver-Durchbruch 09.06.: σL von 16 m auf 8,1 m, σB von 23 m auf 8,9 m — beide Werte halbiert. Mechanik-Erfolg datenbasiert bewiesen.
Wedge 8m-Kreis
30 PW-Schläge aus 80 m auf das Übungsgrün, gezählt wie viele im 8m-Kreis um die Fahne landen. Baseline 31.05.: Wedges fliegen +14–18 % zu weit — Loft-Test W48 als Konsequenz, Pre-Quote zu Post nach Training direkt vergleichbar.
P1–P4 Putter-Tests
Vier standardisierte Putter-Test-Setups, die ich seit Mai 2026 dokumentiere — P1 (3-Kreise), P2 (Tour-Lag 9/12/15m), P3 (Lag 6/9/12m), P4 (Hole-Out 15m). Eigener Abschnitt unten mit Details.
GiR-Tracking
Greens in Regulation über mehrere Platzrunden hinweg — der ehrlichste Wedge- und Eisen-Indikator. Wendlohe C 12.06.: 11 %. Ziel KW28: 25 %. Re-Test passiert auf der Runde, nicht künstlich.
Strokes-Gained-Differenz
SG einer Runde direkt vor Trainings-Beginn vs. SG einer Runde 3–4 Wochen später, möglichst auf demselben Platz. Cleanster aller Re-Tests — und einziger, der Score-Impact direkt sichtbar macht.
Subjektive Skala
Tagesform 1–10, Konzentration 1–10, körperliche Beeinträchtigung ja/nein. Kein Hauptbeleg, aber Kontext: ein Post-Test bei Tagesform 4 sagt nichts aus. Diese Skala filtert die Tage, an denen Daten überhaupt aussagekräftig sind.
P1 bis P4 — meine standardisierten Setups
Putten ist der größte Score-Hebel im Senior-Golf — und gleichzeitig der unzuverlässigste Bereich für Selbst-Einschätzungen. Diese vier Tests laufen seit Mai 2026 immer gleich ab. Damit habe ich endlich vergleichbare Putter-Zahlen.
3 Distanzen (3m, 6m, 9m), jeweils 10 Putts auf das Loch. Quote = Anzahl gelochter Putts / 30. Baseline: 38,7 %. Sehr enge Schwankungsbreite — guter Konsistenz-Indikator über Wochen.
3 Distanzen (9m, 12m, 15m), Erfolgs-Kriterium: Putt landet im 1m-Radius um das Loch. Quote 31.05.: 43,3 %. Misst Lag-Distanzkontrolle, nicht das Loch-Treffen — der entscheidende Schutz vor 3-Putts.
3 Distanzen (6m, 9m, 12m), Erfolgs-Kriterium: Putt landet zwischen Loch und einem Putterlängen dahinter. Quote 09.06.: 70 %. Klassischer Coach-Test, schnell durchführbar, sehr aussagekräftig.
10 Putts aus 15 m, gezählt die durchschnittliche Anzahl Putts bis ein Putt gelocht ist. Wert 09.06.: 2,5. Konfrontiert mit der Realität langer Lags — kein Sonntagsspaziergang.
In fünf Schritten zum belastbaren Beweis
Vor jedem neuen Trainings-Block, am Ende jedes Trainings-Blocks — kein Übungs-Zyklus ohne diesen Rahmen.
Test wählen — passend zur Hypothese
Wenn die Trainings-Hypothese „PW-σL halbieren” lautet, ist der Wedge-8m-Kreis-Test das richtige Werkzeug. Bei „3-Putt-Rate senken” ist es der P3-Test. Test und Hypothese müssen zusammenpassen — sonst misst der Test etwas anderes.
Pre-Test als Baseline durchführen
Vor Trainings-Beginn einmal durchführen, in die Master-Excel eintragen mit Datum, Wetter, Tagesform-Skala. Diese Zahl ist die Vergleichsgröße, gegen die jeder Post-Test antreten muss.
Training durchziehen — diszipliniert nach Plan
2–4 Wochen mit dem Modul-Plan aus Schritt 3. Keine zwischenzeitlichen Test-Versuche („mal eben checken ob es schon besser ist”) — das verzerrt die Wahrheit, weil Übung selbst kurzfristig Werte verschiebt.
Post-Test — gleiches Setup, gleiche Bedingungen
Möglichst gleicher Tageszeit, gleicher Range-Platz, gleiche Schläger, gleiche Anzahl Schläge. Ergebnis ungeschönt eintragen. Erst dann die Pre-Post-Differenz berechnen — ohne vorher zu spähen.
Auswerten — und ehrlich entscheiden
Differenz größer als 10 % bei kleiner Stichprobe (≤ 30 Schläge) oder größer als 5 % bei großer (≥ 100 Schläge) → echte Verbesserung, Trainings-Hebel bestätigt. Differenz kleiner → Hypothese verworfen, neuer Plan. Beides ist Erfolg — Erkenntnis ist Erfolg.
Wenn die Diagnose stimmt, wirkt das Training
Zwei Belege aus meiner Praxis — einer mit klarem Erfolg, einer mit gemischter Bilanz.
σ-Halbierung bestätigt
Hypothese: Wenn rechte Schulter abgesenkt und Körperachse stabilisiert wird, halbiert sich Driver-σL und σB.
Training KW21–23: Mechanik-Drills D1 + X-D1-I8 (3× pro Woche)
Post-Test (09.06.2026): 25 Driver-Schläge, σL 8,1 m, σB 8,9 m, Path −3,6°
Ergebnis: Beide σ-Werte halbiert, Path-Wert um 4,4° verbessert. Hypothese bestätigt — Mechanik-Korrektur wirkt messbar. Das ist die Art Beweis, die jeden weiteren Trainings-Block lohnt.
Verbesserung, aber Soll knapp verfehlt
Hypothese: Wenn 3× pro Woche W1-Drill durchgezogen, sinkt PW-σL von 14 m auf unter 10 m in 4 Wochen.
Training KW25: 3× W1 (30 PW aus 80 m, 8m-Kreis)
Post-Test (19.06.2026): PW σL 11 m
Ergebnis: σL von 14 auf 11 m — Verbesserung um 21 %, aber das Soll (≤10 m) knapp verfehlt. Trainings-Hebel funktioniert grundsätzlich, braucht aber wahrscheinlich noch 2–3 Wochen oder zusätzlich einen Loft-Wechsel. Kein Schönreden, kein „eigentlich war es ja gut” — die Zahl bestimmt die nächste Iteration.
Drei Tabs in der Master-Excel
Eine Zeile pro Test: Datum, Test-Typ (P1–P4, σ-Range, Wedge-Kreis), Wert, Wetter, Tagesform 1–10, Notiz. Alle Roh-Daten an einem Ort.
Automatische Berechnung: Hypothese, Pre-Wert, Post-Wert, Differenz absolut, Differenz %, Bewertung (Erfolg/Teilerfolg/Verworfen). Die Tabelle, die jede Trainings-Entscheidung trägt.
Liniendiagramm σL und σB pro Schläger über die letzten 12 Wochen. Trends statt Einzelwerte — die wichtigste Sicht für mittelfristige Entwicklung.
Vorlage für die Master-Excel im Download-Center auf Wie ich messe.
Der Kreis beginnt von vorn
Hypothese bestätigt, Schwäche behoben → zurück zu Schritt 2. Die nächste größte Schwäche in der Score-Impact-Liste wird zum neuen Schwerpunkt.
Richtige Richtung, Soll noch nicht erreicht → 2–4 Wochen Verlängerung mit demselben Modul-Plan. Dranbleiben ist oft die richtige Antwort.
Keine Verbesserung, Hypothese widerlegt → ehrliche Analyse. Falsches Modul? Falscher Schläger? Falsche Mechanik-Vorstellung? Erkenntnis ist Erfolg — nur kein Selbstbetrug.
Der Kreis schließt sich — und beginnt von vorn
Messen, analysieren, trainieren, verbessern feststellen — und mit KI als Werkzeug das Ganze schneller machen. Das ist die komplette Methode.