MEIN SYSTEM · SCHRITT 01
Wie ich messe
Drei Werkzeuge, ein Prinzip: jeder Schlag ist ein Datenpunkt. So habe ich in drei Jahren 4.063 Range-Schläge dokumentiert — und damit die Basis für jede spätere Analyse gelegt.
„Wer messbar trainieren will, muss messbar messen können.”
Als Marathon-Läufer (Berlin 1981, 2:26 h) habe ich gelernt, wie wichtig konsequente Dokumentation ist. Beim Golf ist der Effekt sogar noch deutlicher: Ein einzelner Schlag sagt nichts.
Erst die 100., 500., 2.000. Wiederholung ergibt ein Muster. Und Muster sind der Rohstoff für Verbesserung. Drei Werkzeuge nutze ich konsequent — eines für die Range, eines für den Platz, eines für die Auswertung.
PDF-Anleitungen

Garmin Approach R10
Mein Launch-Monitor seit Frühjahr 2023. Jeder Schlag wird erfasst: Carry, Gesamtdistanz, Ballgeschwindigkeit, Schlägerkopfgeschwindigkeit, Spin, Schwungbahn, Abflugwinkel.
Was Tour-Profis vor zehn Jahren noch 8.000 € für einen Trackman gekostet hat, bekomme ich heute für unter 600 €. Die Daten sind nicht exakt auf Tour-Niveau — aber präzise genug, um Trends über tausende Schläge sichtbar zu machen.
R10 auf Stativ, App auf iPad (statt Smartphone — größerer Bildschirm). Vor jedem Schlag: korrekter Schläger ausgewählt. Nach jeder Range-Session: Daten als CSV in meine Excel exportiert.
Bebrassie GPS-Tracking
Die Range zeigt mir, wie ich theoretisch schlage. Der Platz zeigt mir, wie ich es tatsächlich tue — unter Druck, bei Wind, mit dem letzten Loch im Hinterkopf.
Bebrassie läuft am Smartphone im Buggy oder am Trolley. Jeder Schlag wird per GPS festgehalten: Position vorher, Position nachher, gewählter Schläger, Distanz. Nach der Runde habe ich nicht nur den Score, sondern 54 dokumentierte Schläge (Beispiel Wendlohe Course C, 12.06.2026).
Range-Daten und Platz-Daten erzählen oft unterschiedliche Geschichten. Auf der Range schlage ich mein PW auf 90 m mit σ Breite 7 m. Auf dem Platz unter Druck eher σ 12 m. Nur wer beides misst, sieht den Unterschied — und kann beides gezielt trainieren.


Excel als zentrale Datenquelle
Daten aus R10, Daten aus Bebrassie, Daten aus Performance-Tests — alles landet am Ende in einer einzigen Excel-Datei. Über drei Jahre gewachsen, heute 50 Spalten und 4.063 Zeilen.
Warum Excel und nicht ein spezialisiertes Tool? Drei Gründe: Flexibilität (jede Spalte selbst definieren), Eigentum (meine Daten gehören mir, nicht einem Cloud-Anbieter), KI-Kompatibilität (Claude und ChatGPT verstehen Excel sofort — siehe Schritt 5).
Performance-Tests mit Bleistift
Nicht alles lässt sich mit Technik messen. Manche Dinge brauchen Stift, Papier und Disziplin. Vier Performance-Tests laufen bei mir parallel:
- P1 — 3-Kreise-Putt: 30 Putts aus 3, 6, 9 m. Erfolgsquote dokumentieren.
- P2 — Tour-Lag: 12 Putts aus 9/12/15 m. Wie viele bleiben im 1-m-Kreis?
- P3 — Lag-Putterlänge: Distanz-Kalibrierung für lange Putts.
- P4 — Hole-Out 15 m: Wie viele Putts brauche ich im Schnitt?
Diese Tests wiederhole ich alle 4–6 Wochen unter identischen Bedingungen. Nur so sehe ich, ob ich besser werde — oder nur das Gefühl habe, besser zu werden.

Wie oft und was ich messe
2–3× pro Woche
Jede Session 60–80 Schläge mit dem R10. Schwerpunkt nach Wochenplan (Driver / Wedges / Eisen) — Streuung als Hauptmetrik.
1× pro Woche
9 oder 18 Loch mit Bebrassie. Jeder Schlag wird gespeichert, am Abend ausgewertet — Strokes Gained pro Schläger und Distanz.
alle 4–6 Wochen
Performance-Tests P1 bis P4 unter identischen Bedingungen. Nur durch Wiederholung sehe ich echten Fortschritt.

Was ich am Anfang falsch gemacht habe
1. Nur die guten Schläge zählen. Anfänger-Fehler. Wer die Topfschläge ignoriert, schönt die Datenbasis. Median statt Best ist die wichtigste Daten-Regel ab 60 — alle Schläge zählen, der mittlere ist die ehrliche Wahrheit.
2. Daten sammeln ohne Auswertung. Drei Wochen R10-Daten ohne anzuschauen = drei Wochen verschenkt. Mindestens 1× pro Woche kurze Auswertung — sonst verliert sich das System.
3. Unter unterschiedlichen Bedingungen messen. Range-Session bei 25°C mit Sonne ist nicht vergleichbar mit 12°C bei Wind. Wer Trends sehen will, muss Bedingungen dokumentieren (mache ich in einer Spalte „Wetter”) und Vergleiche entsprechend filtern.
Drei Schritte für die nächsten zwei Wochen
- Werkzeug wählen. Garmin R10 (~600 €) für die Range, Bebrassie-App (kostenlos / Pro 9 €/Monat) für den Platz. Reicht für 90 % der Erkenntnisse.
- Eine Range-Session komplett dokumentieren. Nicht nur die guten Schläge. Alle. Auch die Topfschläge. Auch das Eisen 5 das du eigentlich aufgegeben hast.
- Am Abend in Excel übertragen. CSV-Export, ein paar Spalten ergänzen (Datum, Wetter, Übung). Erste Datenbasis nach 2 Wochen — und du erkennst das erste Muster.
Aus dieser ersten Datenbasis wird Schritt 2 — die Analyse.