MEIN SYSTEM · SCHRITT 3

Training nach der Analyse

Aus Schwächen werden Wochenpläne. Sechs Modul-Familien, Interleaved Practice, Wechsel-Drills — und ein Zwei-Dateien-System, das mir jede Woche 15 Minuten Planung spart.

SENIOR GOLF · MEIN SYSTEM · STAND JUNI 2026
VON DER ANALYSE ZUM PLAN

Drei Prinzipien, die jede Trainings-Woche steuern

Die meisten Senior-Golfer üben das, was ihnen Spaß macht — Driver kloppen, Putts auf das Übungsgrün. Genau falsch. Die größten Score-Killer bleiben unangetastet, weil sie unangenehm sind. PW-Distanzkontrolle aus 80 m ist anstrengend und langweilig. Aber sie spart drei Schläge pro Runde.

Über zwei Jahre habe ich aus über 200 Trainingseinheiten ein System destilliert. Sechs Modul-Familien, Wechsel-Drills aus der Lernforschung, ein striktes Zwei-Dateien-System für die Wochenplanung. Was bleibt: ein Plan, der nicht der Lust folgt, sondern der Diagnose.

Schwächste zuerst. Interleaved statt Block. Messbar statt vage. Drei Regeln, die jedes Wochentraining ehrlich machen.

PRINZIP 01

Schwächste zuerst

Was am meisten kostet, wird zuerst trainiert. PW-Schwäche mit −2,9 Schlägen pro Runde schlägt 5er-Holz-Pflege mit −0,3. Der Trainingsplan folgt strikt der Score-Impact-Liste aus Schritt 2 — nicht dem persönlichen Spaß-Faktor.

PRINZIP 02

Interleaved statt Block

Lernforschung ist eindeutig: 30× PW hintereinander fühlt sich besser an, bringt aber weniger Transfer auf den Platz als 10× PW, 10× Driver, 10× PW im Wechsel. Meine X-Drill-Familie (X-D1-I8, X-PW-52) macht das systematisch — anstrengender, aber wirksamer.

PRINZIP 03

Messbar statt vage

„Wedges üben” ist Marketing. „30 PW aus 80 m, 8m-Kreis-Quote dokumentieren” ist Training. Jede Einheit hat ein Erfolgs-Kriterium und wird protokolliert. Nur so wird Schritt 4 — Verbesserungen feststellen — überhaupt möglich.

SECHS MODUL-FAMILIEN

Aus diesen Bausteinen entsteht jeder Wochenplan

D
MODUL-FAMILIE 1

Driver · Long Game

σL- und σB-Training mit Driver und Hölzern. D1 = Driver-Mechanik (Path), D2 = Tee-Setup, D3 = Wind-Anpassung. Aktuell schwächster Zweig durch die G740-Umstellung im Juni.

Wd
MODUL-FAMILIE 2

Hölzer · Hybrid

5er- und 9er-Holz, Hybrid-Ersatz für lange Eisen. Wd1 = Fairway-Holz-Mechanik, Wd2 = Lay-Up-Kontrolle. 5er-Holz ist der Senior-Allrounder — getestet und bestätigt 2026.

I
MODUL-FAMILIE 3

Eisen · Annäherung

I7 bis I9 plus U-Eisen. I1 = Distanz-Kontrolle pro Schläger, I2 = GiR-Übung mit Ziel-Fenstern, I3 = Wind-Spiel. Stärkster Zweig: I8 mit σL 7,53 m.

W
MODUL-FAMILIE 4

Wedges · Kurzes Spiel

PW, GW (52°), SW (58°). W1 = Distanz-Kontrolle 60/80/100 m, W2 = Pitch-Höhen-Variation, W3 = Bunker-Standard. Größter Score-Killer-Zweig im Juni — höchste Trainings-Priorität.

P
MODUL-FAMILIE 5

Putten · Lag

P1 = 3-Kreise-Test, P2 = Tour-Lag (9/12/15m), P3 = Lag-Putter-Länge (6/9/12m), P4 = Hole-Out 15m, P5 = NEU 4–8m nach Wendlohe-Diagnose. Datenbasierte Putter-Tests dokumentiert.

S
MODUL-FAMILIE 6

SuperSpeed · Athletik

3 Sticks Senioren-Set (gelb/blau/rot). S1 = Level-1-Protokoll, S2 = Level-2 ohne Zusatzgewichte. Schwung-Geschwindigkeit halten, nicht jagen — Mechanik vor Kraft, USGA-2023-Senior-Strategie.

DAS GEHEIMNIS DER LERNFORSCHUNG

Wechsel-Drills statt Block-Training

Wenn ich 30 PW hintereinander schlage, werde ich gut darin, PW hintereinander zu schlagen. Auf dem Platz spiele ich aber nie 30 PW am Stück — sondern Driver, dann Eisen, dann PW, dann Driver. Mein Training muss das abbilden.

Daraus wurde die X-Drill-Familie: X-- bedeutet: abwechselnd ein Schlag mit dem ersten Schläger, ein Schlag mit dem zweiten, in mehreren Sätzen. Beispiele aus meinem Plan:

X-D1-I8 · Driver/Eisen-8 im Wechsel — 10 Sätze
X-PW-52 · PW/52°-GW im Wechsel — 8 Sätze
X-Wd-I7 · 5er-Holz/Eisen-7 im Wechsel — 8 Sätze

Sportwissenschaft nennt das Interleaved Practice. Der Trainingstag fühlt sich anstrengender an, die Trefferquote pro Schläger sinkt kurzfristig. Aber: Der Transfer auf den Platz ist messbar besser. Mein Trainingsplan ist seit 2025 zur Hälfte aus X-Drills aufgebaut.

MEIN WOCHENPLAN-WORKFLOW

In fünf Schritten zum Trainingsplan

Jeden Sonntag — 15 Minuten Planung, fertig ist die Woche.

01

Drei Schwerpunkte aus Schritt 2 übernehmen

Die Score-Impact-Liste aus der Analyse-Woche zeigt, was die Trainings-Woche bekommt. Drei Schwerpunkte — nicht mehr. Mehr Schwerpunkte = kein Schwerpunkt.

02

Module aus den sechs Familien zuordnen

PW-Schwäche → W1 (Distanz-Kontrolle). 3-Putt-Problem → P5 (4–8m-Lag). Course-Management → kein eigenes Modul, das geht in die Platzrunde. Jeder Schwerpunkt bekommt 1–2 Module zugeordnet.

03

Einheiten auf die Woche verteilen

5 Einheiten à 60 Min ist mein Standardrahmen. Wedges 3×, Putten 2×, dazu zwei X-Drill-Wechsel-Sessions. Jede Einheit hat einen klaren Schwerpunkt, dazu 15 Min Wechsel-Drill zur Aufmerksamkeit.

04

Erfolgs-Kriterium pro Einheit definieren

„Wedges üben" reicht nicht. „W1: 30 PW aus 80 m, mindestens 18 im 8m-Kreis" ist messbar. Ohne Kriterium kein Training, ohne Training kein Re-Test.

05

In PowerPoint übersetzen — zwei Dateien-System

Datei 1: KW_Trainingsplan.pptx — 9 Folien, wochenspezifisch. Datei 2: Trainingsformen.pptx — 16 Folien, statisch, Modul-Bibliothek. Codes korrespondieren. Den Wochenplan habe ich auf dem Handy in der Tasche.

EIN ECHTER WOCHENPLAN

KW25 nach der Wendlohe-Diagnose

So sah der Wochenplan aus, der direkt aus der Runde vom 12. Juni entstand.

Diagnose aus Schritt 2: PW Σ −2,90, 3-Putt-Rate 33 %, drei Wasser-Strafen. Drei Schwerpunkte: W1 PW-Distanzkontrolle, P5 Lag-Putt 4–8m, M1 Course-Management Wasser.

5 Einheiten · 5 Tage · 60 Minuten

MONTAG · WEDGES

W1 PW-Distanzkontrolle · 30 PW aus 80m, Ziel: 18+ im 8m-Kreis · 15 Min X-PW-52 Wechsel · 15 Min S1 SuperSpeed-Aufwärmen

DIENSTAG · PUTTEN

P5 Lag-Putt 4–8m · 20 Putts aus 4m, 20 aus 6m, 20 aus 8m, jeweils Distanz-Restanz protokollieren

MITTWOCH · WEDGES + X-DRILL

W1 + X-D1-I8 · 25 PW aus 80m · 8 Sätze X-D1-I8 (Driver/Eisen-8 im Wechsel)

DONNERSTAG · PLATZRUNDE

M1 Course-Management Wasser · 9 Loch Gut Waldhof, Pre-Round-Cheat-Sheet, an Wasserlöchern strikt Lay-Up statt Risiko

FREITAG · POST-TEST

W1-Re-Test + P5-Re-Test · gleiche Setups wie Mo/Di, σL und Distanz-Restanz vergleichen — fließt in Schritt 4

Ergebnis nach KW25: PW-σL von 14 m auf 11 m (Soll: ≤ 10 m — fast erreicht). 3-Putt-Rate von 33 % auf 22 %. Wasser-Strafen: 0. Wenn die Diagnose stimmt und die Module passen, wirkt das Training in einer einzigen Woche.

MEIN ZWEI-DATEIEN-SYSTEM

Wochenplan + Trainingsformen

→ KW_TRAININGSPLAN.PPTX

Neun Folien, wochenspezifisch: Cover, Diagnose, drei Schwerpunkte, fünf Einheiten, Re-Test-Setup. Jeden Sonntag in 15 Minuten erstellt.

→ TRAININGSFORMEN.PPTX

Sechzehn Folien, statisch: jede Modul-Familie mit allen Übungs-Codes, Setups, Erfolgskriterien. Die Bibliothek, auf die der Wochenplan referenziert.

→ PROTOKOLL-BLATT

Pro Einheit eine Seite zum Mitschreiben: Datum, Modul, Schläger, Schläge, Trefferquote, Notiz. Wandert anschließend in die Master-Excel.

Codes in beiden PowerPoints korrespondieren. „W1″ auf dem Wochenplan zeigt direkt auf die W1-Folie in der Bibliothek.

QUELLEN AUS DER LERNFORSCHUNG

Warum Wechsel-Drills wirken

INTERLEAVED PRACTICE

Shea & Morgan (1979), Brady (2008): Wechsel-Training übertrifft Block-Training im Transfer auf den Wettkampf — bei kurzfristig schlechterer Trefferquote im Training.

USGA DISTANCE INSIGHTS 2024

Senior-Spieler verlieren überproportional bei Distanz-Kontrolle, nicht bei Maximal-Distanz. Wedge-Training hat höchste Score-Wirkung im Alter ab 60.

MARK BROADIE: EVERY SHOT COUNTS

Strokes-Gained-Hebel pro Kategorie: Putten = größter Score-Hebel bei Senior-HCP, gefolgt von Wedges. Driver-Distanz erst auf Platz 4 — entscheidet der Daten-Sammler.

Empfehlung: Mit drei X-Drills pro Woche starten — Effekt nach 3–4 Wochen messbar.
WEITER IM SYSTEM

Hat das Training wirklich gewirkt?

Die ehrliche Antwort kommt aus dem Re-Test — nicht aus dem Bauchgefühl. Schritt 4 zeigt, wie ich Verbesserung wirklich feststelle.

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