MEIN SYSTEM · SCHRITT 2 – ANALYSEN
Wie ich analysiere
Daten haben ist die halbe Miete. Hier zeige ich, wie aus 5.000 Schlägen belastbare Antworten werden — mit σ-Konsistenz, Strokes Gained und Median statt Bauchgefühl.
Drei Prinzipien, die jede Senior-Golf-Analyse leiten
Daten sammeln ist einfach. Daten verstehen ist die Kunst — und sie ist für Senior-Golfer eine andere Disziplin als für Tour-Profis. Wir haben weniger Schwung-Geschwindigkeit, mehr Streuung und unsere Tagesform schwankt mehr. Wer hier mit Mittelwerten arbeitet, trifft die falschen Entscheidungen.
Über drei Jahre habe ich aus 4.063 Range-Schlägen und 50 Excel-Spalten drei Prinzipien destilliert, die jede meiner Analysen leiten — vom kleinen Range-Block bis zur 18-Loch-Auswertung.
Streuung vor Mittelwert. Median statt Best. Strokes Gained statt Score. Wenn diese drei Sätze sitzen, ist die Analyse halb gemacht.
Streuung vor Mittelwert
Ein Eisen 8 mit Median 130 m und σ 6 m ist besser als eines mit Median 138 m und σ 14 m. Konsistenz schlägt Distanz — fast immer. Beim Senior-Golf zählt, wo der Schlag landet, nicht wie weit er bei perfektem Treffer fliegen könnte.
Median statt Best
Mit „mein bester Driver flog 220 m” plane ich ein Loch falsch. Mit „mein Median-Driver fliegt 175 m” plane ich realistisch. Senior-Golfer haben mehr schlechte als perfekte Schläge — die Statistik muss das abbilden, nicht das Ego.
Strokes Gained statt Score
„Brutto 51 auf 9 Loch” sagt wenig. „SG −2,23 vs. Scratch, PW als größter Verlierer mit Σ −2,90″ sagt alles. Mark Broadies Methode trennt Glück von Können — und macht jede Runde mit jeder anderen vergleichbar.
Was ich pro Schläger wirklich messe
Längen-Streuung
Standardabweichung der Carry-Distanz. Mein I8 hat σ 7,53 m — bester Wert im Bag zwischen 80 und 120 m. Niedrig = Schläger plant sich selbst.
Seiten-Streuung
Standardabweichung der Seiten-Abweichung. Sagt mehr über Wassergefahr als jede Distanz-Statistik. Beim Driver-Durchbruch 09.06.: σB von 23 m auf 8,9 m halbiert.
Median-Carry
Der mittlere Wert — robuster gegen Ausreißer als der Durchschnitt. Mein Driver-Median: 175 m (Best 220 m, Durchschnitt verfälscht). Plane mit dem Median, nicht mit dem Bestwert.
Strokes Gained
Mark Broadies Goldstandard: Wie viele Schläge gewinne oder verliere ich pro Schlag vs. Scratch-Baseline. Beste Diagnose-Größe — Wendlohe C 12.06.: SG −2,23, PW Σ −2,90 als größter Score-Killer.
Scrambling-Quote
Wie oft rette ich Par, wenn ich das GIR verfehlt habe? Verrät die Stärke des kurzen Spiels. Senior-Tour-Pros liegen bei 55 %, ich peile 40 % an — meine Achillesferse 2026.
3-Putt-Rate
Wie viel Prozent der Grüns verlasse ich nach drei oder mehr Putts? Die ehrlichste Lag-Putt-Kennzahl. Mein Wendlohe-Muster: 3-Putts häufen sich bei Erstputts 4–8 m — daraus wurde der P5-Test.
In fünf Schritten von Rohdaten zur Trainings-Hypothese
Das mache ich nach jeder Range-Session und nach jeder Runde — Routine, kein Projekt.
Rohdaten in den Master ziehen
R10-CSV oder Bebrassie-PDF kommen in die Master-Excel. 50 Spalten, eine Zeile pro Schlag — Datum, Schläger, Distanz, Seite, Spin, Untergrund, Übung, Notiz. Eine zentrale Tabelle für alles ist die Voraussetzung für jede Vergleichbarkeit.
KPIs pro Schläger berechnen
Pivot-Tabelle mit den sechs Kennzahlen aus dem Block oben — n, σL, σB, Median, Strokes Gained, Streu-Verhältnis. Das machen Excel-Formeln. Sobald ich neue Schläge hinzufüge, aktualisieren sich alle KPIs automatisch.
Mit Sollwerten vergleichen
Vergleichs-Tab in der Master-Excel mit Ampel-Logik: rot bei Soll-Verfehlung, grün bei Treffer. Soll-Werte aus zwei Quellen — Tour-Referenz (TrackMan 2024) und realistische HCP-Brackets für Spieler ab 60. Ohne Vergleichsmaßstab ist keine Zahl aussagekräftig.
Schwächen nach Score-Impact priorisieren
Nicht jede Schwäche ist gleich wichtig. Ein Driver-Problem kostet 1,5 Schläge pro Runde, eine 3-Putt-Quote 4 Schläge. Score-Impact in Schlägen pro 9 Loch ist mein Sortier-Kriterium. Was am meisten kostet, kommt zuerst.
Trainings-Hypothese ableiten
Aus der Diagnose wird genau eine Hypothese pro Wochenplan: „Wenn ich PW-Distanzkontrolle mit Drill W1 trainiere, verkleinert sich σL von 14m auf unter 10m in 4 Wochen.” Messbar, datierbar, testbar. Damit geht es zu Schritt 3 — Training nach der Analyse.
Runde Wendlohe Course C, 12. Juni 2026
So lief eine Analyse wirklich ab — vom Bebrassie-Export bis zum Trainings-Schwerpunkt der Woche.
Rohdaten: Bebrassie-Export 9-Loch-Runde, 51 Brutto-Schläge (+15). Erste Reaktion: „Naja, war ja windig.” Falsche Reaktion. Die richtige Reaktion war: Daten ansehen.
SG vs. Scratch: −2,23 Schläge
FiR (Fairway in Regulation): 57 % (Vortag noch 25 %)
GiR (Green in Regulation): 11 %
Scrambling: 0 % — jeden verfehlten Grün-Annäherung verloren
Schläger-Aufschlüsselung: Der PW war Schritt für Schritt der größte Score-Killer mit kumuliert −2,90 Schlägen über die Runde. Schlimmer als Driver, schlimmer als jeder Putt. Drei Annäherungen aus 80–100 m endeten 12–18 m zu kurz oder zu lang — bei einem σL von 14 m geometrisch unvermeidbar.
PW σL Soll: ≤ 10 m · IST: 14 m → ROT
Driver σB Soll: ≤ 15 m · IST: 8,9 m → GRÜN
3-Putt-Rate Soll: ≤ 15 % · IST: 33 % → ROT
Score-Impact-Priorisierung: PW-Schwäche kostet 2,9 Schläge pro 9 Loch, 3-Putts kosten 1,8 Schläge. Driver ist im grünen Bereich — kein Trainings-Fokus. Damit war die Reihenfolge klar: erst Wedges, dann Lag-Putt.
Trainings-Hypothese KW25: Wenn ich 3× pro Woche je 30 Schläge PW aus 80m mit Distanz-Kontrolle (Ziel: 8m-Kreis) und 2× Lag-Putts 4–8m trainiere, verkleinere ich PW-σL in 3 Wochen auf unter 11m und die 3-Putt-Rate auf unter 25 %. Messung: Pre/Post-Test in KW25 und KW28.
Drei Excel-Dateien, die alles tragen
Zentrale Excel mit allen Range-Schlägen. 12 Kern-Spalten, Pivot-fähig, automatische KPI-Berechnung. Vorlage: Download-Center auf „Wie ich messe”.
Fünf Tabs: Tour-Referenz (TrackMan 2024), Soll-Mathias (Saison + Langzeit), IST-Mathias, Vergleich (Ampel), Methodik. Die Vergleichs-Maschine.
Dashboard mit Trend-Symbolen (—/-/+/+++), Schläger-Hierarchie, Score-Impact-Ranking. Tab „Daten-Regeln” definiert verbindliche Quellen pro KPI.
Drei Excel-Dateien, dreitausend Zeilen Formeln. Aber: die zahlen sich vom ersten Tag an aus.
Sechs Kategorien × drei bis fünf KPIs
σL · σB · Median-Carry · FiR-Quote · Smash Factor
σL pro Schläger · GiR-Quote · Annäherungs-Distanz · Spin-Werte
Distanz-Kontrolle (8m-Kreis-Quote) · σL · Loft-Empfehlung · Spin-Konsistenz
3-Putt-Rate · Lag-Putt-Distanz-Restanz · Hole-Out-Quote · Putts pro Loch
Scrambling-Quote · Sand-Save-Quote · Up-and-Down-Distanz
Strafen-Anzahl · Tee-Schläger-Wahl · Lay-Up-Disziplin · Risiko-Score
Aus der Analyse wird Training
Wenn die Schwächen priorisiert sind, beginnt die eigentliche Arbeit. Schritt 3 zeigt, wie aus Hypothesen ein Wochenplan wird.