PRÄVENTION · FLÜSSIGKEITS-BILANZ

Hydration ab 60 — vier Fehler auf der Runde.

Die Durst-Empfindung sinkt mit dem Alter um bis zu 40 Prozent. Wer im Sommer vier Stunden auf dem Platz steht, kann unbemerkt zwei Liter Defizit aufbauen. Die Folge ist messbar: Score-Einbruch ab Loch 13, Konzentration weg, Putts kürzer.

Ich habe in einem heißen Juni-Turnier auf den letzten sechs Löchern fast eine Stunde länger gebraucht als auf den ersten sechs. Mein Score ging um sieben Schläge nach oben. Ich dachte, ich sei müde. Tatsächlich war ich dehydriert — und merkte es nicht, weil ich keinen Durst hatte. Drei Wochen später machte ich es richtig: zwei Trinkflaschen, alle zwei Löcher ein Schluck, auch ohne Durst. Score-Einbruch verschwunden.

Hydration ist eines dieser Themen, die scheinbar selbsterklärend sind. Trink, wenn du Durst hast, dann ist alles gut. Bei Über-60-Jährigen stimmt das nicht. Die Hirn-Region, die Durst signalisiert, wird im Alter weniger empfindlich. Man kann ein Defizit von einem Liter aufgebaut haben, ohne ein Hinweis-Signal zu bekommen.

Was Dehydration messbar macht

Schon ein Defizit von zwei Prozent des Körpergewichts (bei einem 80-kg-Spieler also 1,6 Liter) senkt die kognitive Leistung um 10 bis 20 Prozent. Reaktionszeiten werden länger, die Aufmerksamkeitsspanne kürzer, die Entscheidungsqualität sinkt.

Auf dem Grün heißt das: Putt-Reading wird ungenauer. Auf dem Fairway: Schlägerwahl wird unsicherer. Im Schwung: Standstabilität sinkt, die letzten zehn Prozent Tempo gehen verloren — Distanz weg. Das ist nicht „müde sein”. Das ist messbares, biologisches Defizit.

−15 % kognitive Leistung bei 2 % Körpergewichts-Defizit — exakt das, was auf einer 4-stündigen Sommer-Runde ohne Trinken entsteht.

Warum Senioren besonders gefährdet sind

Drei biologische Veränderungen kommen ab 60 zusammen: Die Niere konzentriert Urin weniger gut (mehr Flüssigkeitsverlust), die Durst-Wahrnehmung sinkt, und die Körperwasser-Reserve nimmt ab. Während ein 30-Jähriger 60 Prozent Wasser-Anteil hat, sind es bei einem 70-Jährigen oft nur noch 50 Prozent. Das heißt: derselbe Flüssigkeitsverlust hat eine größere relative Wirkung.

Hydration ist die einfachste, billigste und am meisten unterschätzte Performance-Maßnahme im Senior-Sport. Sie kostet zwei Euro pro Runde, wirkt sofort, und niemand macht sie konsequent.

— Deutsche Sporthochschule Köln, Senior-Sport-Studie 2024

Vier Fehler bauen das Defizit auf, ohne dass du es merkst. Sie sind alle leicht zu vermeiden — wenn man sie kennt.

Kaffee am Morgen

Ein doppelter Espresso vor der Runde wirkt diuretisch — etwa 1,5-fache Flüssigkeitsmenge geht durch die Niere. Wer früh aufsteht und gleich loslegt, hat schon auf der 1. ein Defizit.

Erst trinken, wenn Durst kommt

Der klassische Fehler. Die Durst-Empfindung kommt bei Senioren oft erst ab 3 % Defizit — also nach dem Einsatz der Leistungseinbußen. Trinken muss proaktiv passieren.

Nur am Halfway-Haus auffüllen

Zwei große Gläser auf Loch 9 ist zu spät und zu viel. Der Magen kann nur etwa 200 ml Wasser pro 15 Minuten verarbeiten. Der Rest läuft direkt durch.

Was zu viel Trinken bewirkt

Hyponatriämie — die gefährliche Verdünnung des Blut-Natriums — kommt bei Senior-Sport vor. Wer drei Liter pures Wasser auf einer Runde trinkt, riskiert Krämpfe, Verwirrung, im Extremfall Bewusstlosigkeit. Die Lösung: Mit einer Prise Salz oder einem Elektrolyt-Pulver versetzen. Klares Wasser allein reicht bei mehr als zwei Stunden Belastung nicht.

DREI REGELN

Hydration auf der Runde — was funktioniert

01
500 ml eine Stunde vorher
Vor dem 1. Loch ein halber Liter Wasser. Damit startest du im Plus, nicht im Defizit. Bei Hitze 750 ml.
02
150 bis 200 ml alle zwei Löcher
Auch ohne Durst. Setze dir nach jedem zweiten Grün die Flasche an. So bleibt das Defizit unter 1 %.
03
Elektrolyte ab 25 Grad
Pure Wasser allein reicht bei warmem Wetter nicht — eine Tablette in 500 ml Wasser bringt Natrium und Magnesium, hält die Leistung stabil.

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01  Was Dehydration messbar macht
02  Warum Senioren besonders gefährdet sind
03  Was zu viel Trinken bewirkt
MS
Mathias Struwe
HERAUSGEBER · HCP 31 · 68 J.
−40 %
Durst-Empfindung im Alter ab 60
REFERENZ
Deutsche Sporthochschule Köln (2024). Hydration und kognitive Leistung im Senior-Sport. Plus: Kenefick, R. W. (2018). Drinking strategies — exercise hydration and cognitive function. Sports Medicine, 48(S1), 31–37.

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