TRAINING · SHORT GAME

Short-Game-Routine — 60 Prozent der Übungszeit ans Übungsgrün.

Senior-Golfer, die ihr Handicap halten, üben zu 55 bis 65 Prozent das Short-Game. Senior-Golfer, die verlieren, kommen auf 15 bis 25 Prozent. Eine Stunde am Übungsgrün ist 5- bis 10-mal so viel wert wie eine Stunde Range — wer das umsetzt, kompensiert den Distanz-Verlust vollständig.

Ein Jahr lang habe ich konsequent jede Übungseinheit mit 30 Minuten Übungsgrün begonnen — bevor die Range. Chips aus dem Halbrough, Pitches 30 bis 60 m, Lag-Putts 9 bis 15 m. Mein Score-Schnitt sank um 3,8 Schläge. Die Hälfte davon kam aus Wedge-Approach-Schlägen, die andere Hälfte aus Drei-Putt-Vermeidung. Niemand sieht es — aber jeder spürt es im Score.

Short-Game ist der mit Abstand effizienteste Score-Hebel — aber er ist auch der am meisten gemiedene Übungsbereich. Range-Training ist sichtbar, klingt schön, fühlt sich produktiv an. Übungsgrün-Training ist unspektakulär, langwierig, nicht-photogen. Genau diese Asymmetrie ist der Grund, warum die meisten Senior-Golfer zu viel Range und zu wenig Übungsgrün trainieren — und damit den größten Score-Hebel verschenken.

Warum 60 Prozent Übungsgrün die richtige Quote ist

Punkt 1 — Strokes-Gained-Beweis
✓ 60 % DES SCORES IN <80 M.
Mark Broadies Strokes-Gained-Analytik (2014): Über 60 Prozent der Score-Differenz zwischen Top- und Bottom-Performern entsteht innerhalb der 80-Meter-Zone und auf dem Grün. Die Übungs-Allokation sollte das spiegeln.
Punkt 2 — Senior-Vorteil im Short-Game
✓ MECHANIK STABIL MIT ALTER.
Short-Game-Mechanik (Wedges, Chips, Putts) benötigt weniger Schwung-Geschwindigkeit und Athletik als der vollständige Golfschwung. Das Alter beeinträchtigt sie kaum. Wer hier übt, baut Vorteile auf, die bis ins hohe Alter halten.
Punkt 3 — Range trainiert wenig Spielnähe
✗ MAXIMAL-SCHWUNG IST NICHT SPIEL.
Auf der Range werden meist Maximal-Schläge geübt — ein Druck-Szenario, das auf der Bahn selten vorkommt. Wedge-Schläge 30, 50, 70 m sind alltäglich. Chip aus 8 m mit Slope hinter dem Grün: täglich. Trotzdem fast nie geübt.
Punkt 4 — Übungsgrün ist konzentriertes Training
✓ KEIN WARMUP, DIREKT FOKUS.
Auf der Range braucht es 20–30 Bälle Warmup. Am Übungsgrün gibt es kein Warmup — jeder Putt zählt direkt. Eine 45-Minuten-Übungsgrün-Einheit hat damit mehr trainingsrelevante Wiederholungen als eine 90-Minuten-Range-Einheit.
Punkt 5 — Mentaler Score-Hebel
✓ DRUCK-RESISTENZ.
Putten und Chippen sind die mental anspruchsvollsten Bewegungen im Golf — und damit am meisten von Druck beeinflusst. Wer am Übungsgrün regelmäßig unter Druck-Bedingungen übt (Drei-Kreise-Drill mit Punkte-Zählung), trainiert mentale Robustheit, die auf der Bahn zählt.
55–65 %
Anteil der Short-Game-Übungszeit bei Senior-Golfern, die ihr Handicap halten
International Journal of Golf Science 2023
Bei Verlierern liegt der Anteil bei 15 bis 25 Prozent. Die Umkehrung ist der einfachste Score-Hebel.

Die Short-Game-Routine im Detail

Routine 1 — Drei-Kreise-Drill (15 min)
✓ 3 BÄLLE × 3, 6, 9 M.
Drei Bälle aus jeweils 3, 6 und 9 m zum Loch. Notiere Einlochbälle und 2-Putts. Wöchentliche Wiederholung. Bei den meisten Senior-Golfern steigt die 6-m-Einlochquote von 25 auf 45 Prozent innerhalb von 8 Wochen.
Routine 2 — Long-Lag-Test (15 min)
✓ 10 PUTTS × 9, 12, 15 M.
Aus drei Distanzen je 10 Putts. Erfolgskriterium: Endposition innerhalb eines Schritts zum Loch. Lag-Putting ist der größte Drei-Putt-Vermeider — und macht den größten Unterschied zwischen Bogey-Schützen und Pars.
Routine 3 — Wedge-Distanz-Kalibrierung (15 min)
✓ JE 10 BÄLLE 30/50/70 M.
Mit PW, GW, SW jeweils 10 Bälle aus 30, 50, 70 m. Notiere Median-Distanz und Streuung. Die Werte korrigieren das systematische Überschätzen der eigenen Wedge-Distanzen — und führen zu besseren Schläger-Entscheidungen auf der Bahn.
Bonus — Chip-aus-Halbrough
✓ EINE BEDINGUNG, 15 BÄLLE.
Eine spezifische Lie-Bedingung (Halbrough, Hardpan, Bunker-Rand) und 15 Bälle. Im Senior-Alter sammeln sich diese Schwierigkeits-Lies auf der Bahn. Wer sie gezielt übt, verliert sie als Score-Killer.
Bonus — Drei-Putt-Vermeidungs-Routine
✓ DEFENSIVES LAG-PUTTING.
Spezielle Routine: Aus 12 m so putten, dass der Folge-Putt innerhalb von 1 m liegt. Distanz-Kontrolle vor Linien-Kontrolle. Drei-Putts sind im Senior-Golf der größte Score-Killer — und am leichtesten vermeidbar.

Driving for show, putting for dough. The cliché is true — and senior golfers ignore it more than any other group. Change that, and your handicap drops.

— Dave Pelz, Short-Game-Coach (Phil Mickelson, Tom Kite, Lee Janzen)

Drei Prinzipien machen Short-Game-Training effektiv — und drei Fehler machen es nutzlos.

Regelmäßigkeit schlägt Volumen

Eine 45-Minuten-Einheit zweimal pro Woche ist effektiver als eine 3-Stunden-Einheit alle zwei Wochen. Short-Game-Touch ist eine Frage der Frequenz, nicht des Volumens. Regelmäßigkeit schafft die motorischen Patterns.

Bedingungen schlagen Wiederholung

100 Putts aus 2 m sind weniger wert als 30 Putts mit unterschiedlichen Slopes, Längen, Grün-Geschwindigkeiten. Variabilität trainiert das Anpassungs-Vermögen — genau das, was auf der Bahn zählt.

Druck schlägt Entspannung

Drei-Kreise-Drill mit Punkten und Konsequenzen (z.B. zusätzlich 5 Putts, wenn unter 60 Prozent) trainiert Druck-Resistenz. Senior-Golfer ohne Druck-Training collapsen oft im Wettkampf — auch wenn sie auf der Range gut sind.

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AUF DIESER SEITE
01 Warum 60 Prozent Übungsgrün die richtige Quote ist
02 Die Short-Game-Routine im Detail
03 Was Short-Game-Übung nicht ersetzen kann
MS
Mathias Struwe
HERAUSGEBER · HCP 31 · 68 J.
55–65 %
Short-Game-Übungszeit-Anteil bei HCP-Halten.
REFERENZ
Broadie, M. (2014): Every Shot Counts. International Journal of Golf Science (2023): Effect of Practice Distribution on Senior Golfer Performance. Pelz, D. (1999): Dave Pelz’s Short Game Bible. PGA Tour Stats 2014–2024. MyTPI Senior Performance Research.

Was Short-Game-Übung nicht ersetzen kann

60 Prozent Übungszeit am Übungsgrün ist der größte einzelne Trainings-Hebel — aber er ersetzt weder Course-Management noch Bag-Optimierung. Wer ein perfektes Short-Game hat, aber von zu langen Tees spielt und falsche Wedge-Distanzen schätzt, gewinnt nur einen Teil des möglichen Score-Vorteils zurück. Short-Game-Übung ist der Hebel — aber kein Wunder-Mittel. Sie wirkt in Kombination mit Strategie und Bag-Daten.

DREI ERSTE SCHRITTE

Wie du in 30 Tagen auf 60 Prozent Short-Game-Anteil kommst

01
Eine Woche tracken
Notiere für eine Woche: Wie viele Minuten Range, wie viele Minuten Übungsgrün? Die meisten Senior-Golfer sind bei 80/20 Range/Übungsgrün — das exakte Gegenteil der optimalen Verteilung.
02
60/40 für 30 Tage testen
Verschiebe für 30 Tage die Quote auf 60 Prozent Übungsgrün, 40 Prozent Range. Notiere den Score-Verlauf. Bei 70 Prozent der Senior-Golfer fällt der Score-Schnitt um 2 bis 4 Schläge.
03
Drei-Kreise-Drill als Anker
Jede Übungseinheit beginnt mit 15 Minuten Drei-Kreise-Drill. Damit ist die Übungsgrün-Zeit garantiert — und der Routine-Effekt baut sich auf.

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