PRÄVENTION · SARKOPENIE

Krafttraining für Golfer 65+.

Ab 60 verliert jeder Mensch jährlich ein Prozent Muskelmasse — Sarkopenie genannt. Für Senior-Golfer heißt das: Schwung-Stabilität bricht weg, Distanzen schrumpfen, Verletzungsrisiko steigt. Drei Übungen pro Woche reichen, um den Trend umzukehren.

Ich habe Krafttraining 40 Jahre lang ignoriert. Als Golfer brauchst du keine Muskeln, dachte ich, du brauchst Beweglichkeit. Mit 65 hatte ich beides verloren. Mein Driver-Carry war von 195 auf 168 Meter gefallen, und das Aufstehen aus dem Bunker war eine ehrliche Belastung. Nach einem Jahr mit drei kurzen Kraft-Sessions pro Woche: 14 Meter Driver-Plus, kein Bunker-Schreck mehr.

Sarkopenie — der altersbedingte Verlust von Muskelmasse und -kraft — ist die heimliche Bedrohung für Senior-Golfer. Während wir uns über Schwung-Technik und Material den Kopf zerbrechen, schrumpft im Hintergrund die mechanische Basis, auf der jeder Schlag ruht. Die gute Nachricht: Der Verlust ist reversibel — auch noch mit 70.

Was Sarkopenie mit dem Schwung macht

Die Schwung-Geschwindigkeit hängt direkt von der schnellen Muskelfaser-Aktivierung ab — den sogenannten Typ-II-Fasern. Diese sind im Alter zuerst und am stärksten betroffen. Ohne gezieltes Krafttraining gehen ab 60 jährlich rund 3 Prozent dieser schnellen Fasern verloren.

Das Ergebnis im Spiel: Die letzten Zentimeter Schläger-Geschwindigkeit fehlen, der Ball fliegt 10 bis 20 Meter kürzer, der Iron-Schwung wird mühsamer. Wer ein 7er-Eisen früher 130 Meter weit gespielt hat, schafft mit 70 ohne Krafttraining oft nur noch 105.

−1 % Muskelmasse pro Jahr ab 60 — und 3 % schnelle Muskelfasern. Wer nicht gegensteuert, verliert in 10 Jahren ein Viertel seiner Schwung-Kraft.

Warum 10 Minuten reichen

Studien zeigen: Schon zwei bis drei kurze Trainingseinheiten pro Woche, jeweils 10 Minuten, kehren den Muskelschwund bei Senioren um. Voraussetzung sind drei Dinge: ausreichende Belastung (kein Kuscheltraining), die richtigen Übungen (Mehrgelenk, nicht isoliert) und ausreichend Protein in der Ernährung. Es geht nicht um Bodybuilding — es geht um den Erhalt der Funktion.

Die meisten Senioren denken, sie müssten ins Fitness-Studio. Sie müssen nichts dergleichen. Drei Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, zehn Minuten pro Tag, viermal die Woche — das ist die wirksamste Anti-Aging-Maßnahme, die wir kennen.

— Prof. Dr. med. Klaus Pfeifer, Sportwissenschaftler FAU Erlangen

Drei Übungen reichen, um die wichtigsten Muskelgruppen für den Golfschwung zu erhalten. Sie sind einfach, ortsunabhängig und kosten kein Equipment. Wer sie viermal pro Woche macht, hält die Kraft auf dem Niveau eines 50-Jährigen.

Aufstehen aus dem Stuhl

Aus dem Stuhl ohne Armhilfe aufstehen — 10 Mal. Trainiert Beinkraft, Standstabilität und die Hüft-Rotation, die im Schwung die Kraft überträgt. Mit der Zeit ohne Stuhl, dann auf einem Bein.

Wand-Liegestütze

Mit den Händen an der Wand abdrücken — 10 Mal. Trainiert Brust, Schultern und Arme, die in der Abwärtsbewegung des Schwungs entscheidend sind. Später vom Tisch, dann vom Boden.

Stuhl-Stand auf einem Bein

30 Sekunden auf einem Bein stehen, am Stuhl festhalten — beide Seiten. Trainiert Standstabilität, Tiefenwahrnehmung und Sturzprävention. Mit der Zeit ohne Festhalten, dann mit geschlossenen Augen.

Was Krafttraining nicht ersetzen kann

Beweglichkeit und Schwung-Technik sind weiterhin wichtig. Krafttraining ohne Mobilität führt zu einem steifen, kraftvollen Schwung — schön für die Statistik, schlecht für die Wirbelsäule. Ideal ist die Kombination: 10 Minuten Kraft, 10 Minuten Mobility, drei- bis viermal pro Woche. Das ist alles. Wer das macht, gewinnt Jahre.

DREI ÜBUNGEN

Das Minimal-Programm für jeden Senior-Golfer

01
Beine — Stuhl-Aufstehen
10 Wiederholungen ohne Armhilfe. Das ist die wichtigste Übung für den Golfschwung. Sie erhält Sprungkraft und Hüft-Stabilität.
02
Oberkörper — Wand-Druck
10 Liegestütze gegen die Wand. Erhält die Kraft, die in der Schlag-Abwärtsbewegung Schläger-Speed erzeugt.
03
Balance — Ein-Bein-Stand
30 Sekunden je Bein. Verhindert Stürze, verbessert die Standstabilität auf unebenem Gelände — und schützt die Wirbelsäule.

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01  Was Sarkopenie mit dem Schwung macht
02  Warum 10 Minuten reichen
03  Was Krafttraining nicht ersetzen kann
MS
Mathias Struwe
HERAUSGEBER · HCP 31 · 68 J.
−1 %
Muskelmasse pro Jahr ab 60 ohne Krafttraining
REFERENZ
Pfeifer, K. et al. (2023). Krafttraining im Alter — Wirksamkeit kurzer Intervall-Einheiten. Deutsche Sportwissenschaft. Plus: Cruz-Jentoft, A. J. (2022). Sarcopenia: revised European consensus on definition and diagnosis. Age and Ageing, 48(1), 16–31.

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